Ratgeber zum Thema Steuerklassen, Steuerklassenwahl und Steuerklassenwechsel

Arbeitnehmer leben vom Einkommen. Der Staat erhebt Einkommensteuer. Die Höhe der Einkommensteuer bemisst sich nach den Steuertabellen. Die Steuertabellen orientieren sich an den persönlichen Verhältnissen des Arbeitnehmers und ordnen Arbeitnehmer in unterschiedliche Lohnsteuerklassen ein. 

Die Steuerklassen wurden früher auf der Lohnsteuerkarte eingetragen - heute sind diese und andere Merkmale in Ihrer elektronischen Steuerakte beim Finanzamt und Ihrem Arbeitgeber hinterlegt. Unter anderem sind die Steuerklassen Maßgabe für den Arbeitgeber, aus dem Bruttolohn die Lohnsteuer herauszurechnen und an das Finanzamt abzuführen. Diese Angaben (Steuerklasse, Lohnsteuer etc.) finden Sie auch auf Ihrer Gehaltsabrechnung wieder.

Bedeutung der Steuerklassenwahl

In Deutschland gibt es sechs Steuerklassen. Vereinfacht erklärt finden sich in der Steuerklasse I alleinstehende Arbeitnehmer, in Steuerklasse II Alleinstehende mit Kind, in Steuerklasse III verheiratete Arbeitnehmer, deren Ehegatte keinen Arbeitslohn bezieht und in Steuerklasse IV verheiratete Arbeitnehmer, die beide Arbeitslohn beziehen.

 

Ehepartner die eigentlich in IV einzutragen wären, haben die Wahl, sich bei unterschiedlich hohen Einkommen jeweils in III und V eintragen zu lassen. In Steuerklasse V wird also derjenige eingetragen, dessen Ehepartner die Eintragung in III gewählt hat. In Steuerklasse VI werden Arbeitnehmer eingetragen, die von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen.

 

Hier erfahren Sie mehr über die verschiedenen Steuerklassen:

 

Steuerklasse  1   Steuerklasse 2   Steuerklasse 3  

 

Steuerklasse 4   Steuerklasse 5   Steuerklasse 6

 

 

Steuerklassenwechsel und Steuerklassenwahl bis 30.11

Ein Steuerklassenwechsel kann grundsätzlich nur einmal innerhalb eines Veranlagungszeitraumes erfolgen. Einen weiteren Wechsel lässt das Finanzamt nur nach dem Tod des Ehegatten oder nach Beginn der Arbeitslosigkeit zu. Der letzte Termin, eine andere Steuerklasse zu wählen, ist für jedes Jahr der 30. November.

 

Erfahren Sie hier, wann sich ein Wechsel für Sie lohnt!

Die Steuerlast durch die Steuerklassen optimieren

Die optimale Gestaltung der Steuerklasse orientiert sich an den persönlichen Verhältnissen des Arbeitnehmers. Da die Einordnung in die Steuerklassen I, II, VI anhand der familiären Verhältnisse vorgegeben ist, spielt die Steuerklassenwahl vornehmlich im Bereich der Steuerklassen III/V und IV/IV eine Rolle. Die Kombination hat Auswirkungen auf die Lohnersatzleistungen, wie Arbeitslosengeld, Unterhaltsgeld, Mutterschaftsgeld, Elterngeld, ElterngeldPlus und die Höhe des Lohnanspruchs bei der Altersteilzeit.

 

Beispielsweise richtet sich die Höhe des Arbeitslosengeldes nach der Steuerklasse am 1. Januar.

 

Ein Arbeitnehmer, der verheiratet ist, ist in Steuerklasse III am besten aufgehoben, um die Sozialleistungen optimal auszunutzen. Der nach Steuerklasse V gewechselte Ehepartner zahlt zwar mehr Steuern, die sich aber mit der Abgabe der Steuererklärung von Finanzamt wieder erstatten lassen.

Wenn beide Ehepartner Arbeitslohn beziehen

Wenn beide Ehegatten Arbeitslohn und Lohnersatzleistungen getrennt, aber in ähnlicher Höhe beziehen, empfiehlt sich die Einordnung in Steuerklasse IV, andernfalls lässt sich der besser Verdienende in Steuerklasse III und der weniger Verdienende in Steuerklasse V einordnen. In Steuerklasse III sind nämlich die höchsten und in Steuerklasse V die geringsten Freibeträge eingearbeitet. Als Faustregel gilt, dass der weniger verdienende Ehegatte (sofern verheiratete) nicht mehr als 40 % zum Gesamteinkommen beitragen darf. Andernfalls wird zu viel abgezogen.

 

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Faktorverfahren

Bei der Wahl der Steuerklassenkombination IV/IV zahlt der besser verdienende Ehegatte höhere Steuern als eigentlich notwendig wäre. Diesem Problem setzt der Fiskus das Faktorverfahren entgegen. Statt der Steuerklassenkombination III/IV können Ehegatten sich vom Finanzamt ihren persönlichen Faktor auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen, der sich aus dem Verhältnis der voraussichtlichen gemeinsamen Einkommensteuer zur gemeinsamen Lohnsteuer ergibt. Dann kann der Arbeitgeber mithilfe des Faktors (deshalb Faktorverfahren) den Steueranteil berechnen.

Im Regelfall dürfte sich die Wahl der Steuerklassenkombination III/IV als günstiger und unbürokratischer erweisen. Letztlich ist jeder Steuerabzug nur vorläufig. In Ihrer Steuererklärung kann eine steuerliche Überbelastung wieder ausgeglichen werden, so dass es nicht darauf ankommt, nach welchen Steuerklassen die Steuer vorab berechnet wurde. Dann werden beide Einkünfte zusammengeworfen und nach der Splittingtabelle besteuert, die ohnehin der Steuerklasse III entspricht.

 

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Mit einem Rechner die Wahl der Steuerklasse optimieren

Wer seine optimale Steuerklassenkombinationen beurteilen möchte, kann sich die günstigste Kombination auch im Internet mit einem Rechner, einem sogenannten Steuerklassenrechner errechnen lassen.

 

Zum Steuerklassenrechner

Bedeutung der Lohnsteuertabellen

Die Einkommensteuer, die der Arbeitnehmer zu zahlen hat, bestimmen sich nach der allgemeinen und besonderen Lohnsteuertabelle. Für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer ist die allgemeine Tabelle relevant, da in ihr die Vorsorgepauschale berücksichtigt ist, mit der im laufenden Jahr die Versicherungsbeiträge abgegolten werden. Diese Komponente fehlt bei der besonderen Lohnsteuertabelle, die deshalb vor allem bei nicht sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern zur Anwendung kommt.

 

Je nach Steuerklasse geben die Tabellen eine Mindestgrenze an, ab der Steuern zu zahlen sind (steuerfreies Existenzminimum). Grundsätzlich wird ein Grundfreibetrag gewährt, der sich in Steuerklasse III (Ehepartner) verdoppelt. In den Steuerklassen V und VI entfällt er. Benutzen Sie auch hier den Steuerklassenrechner zur optimalen Kombination für die Ehegatten.

 

Zur Lohnsteuertabelle 2015

Freibeträge bei den Steuerklassen

Weitere Freibeträge sind der Arbeitnehmerpauschbetrag, der Sonderausgabenpauschbetrag, der Entlastungsbetrag für alleinerziehende Steuerzahler mit Kindern in Steuerklasse II. Die Freibeträge für Kinder sind nicht eingearbeitet. Allerdings werden die Freibeträge für Kinder und ein Betreuungsfreibetrag bei der Berechnung der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlages durch das Finanzamt bei der Steuererklärung berücksichtigt.

 

Weitere Details zur Steuerklasse II

 

 

Mehrere Arbeitsverhältnisse und die Einkommenssteuer


Wer mehr als ein Arbeitsverhältnis bei der Einkommensteuer angibt und im ersten Arbeitsverhältnis nicht steuerpflichtig im Sinne der Einkommensteuer ist, zahlt mit dem zweiten und weiteren Arbeitsverhältnis dauernd zu viel Steuern, da er unabdingbar in Steuerklasse VI eingeordnet wird. In diesem Fall muss der Arbeitnehmer einen Antrag auf Lohnsteuerjahresausgleich stellen, damit ihm die über das Jahr zu viel gezahlten Steuern berechnet und erstattet werden. Tipp: Nutzen Sie unseren Steuerklassenrechner zur Optimierung Ihrer Steuerklassenwahl und bereiten Sie unter Umständen einen Steuerklassenwechsel vor. 

 

Tipps und Tricks zur Steuerklärung - das sollten Sie wissen!